Presseecho

Aalener Nachrichten 22.10.2014

Wenn immer wieder dieselben Bilder hochkommen

Opfer von Gewalt finden in der Trauma-Ambulanz Hilfe – Frühzeitige Behandlung ist das A und O

Es ist Mitternacht. Schweißgebadet wacht Ursula M. auf. Wieder einmal wird sie von Alpträumen geplagt. Panik steigt in ihr auf. Die Bilder des Überfalls am Aalener Bahnhof ziehen auch am helllichten Tag an ihr vorbei. Permanent steht sie unter Hochspannung. Wann immer sie ein Geräusch oder Gefühl mit dem Überfall assoziiert, werden Erinnerungen in Gang gesetzt, die so real sind, als würde sie die Situation erneut erleben. Ständig hat sie das Gefühl durchzudrehen, verrückt zu werden. Manchmal denkt sie sogar daran, sich das Leben zu nehmen. Hilfe findet sie bei der Trauma-Ambulanz am Ostalb-Klinikum in Aalen, die Mitte Juli ihre Arbeit aufgenommen hat.
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Aalener Nachrichten 17.07.2014

Trauma-Ambulanz nimmt ihre Arbeit auf

Opfer und Zeugen von Gewalt bekommen hier kompetente Hilfe

Aalen sz Im Aalener Ostalb-Klinikum hat am Mittwoch die Trauma-Ambulanz offiziell ihre Arbeit aufgenommen. Angegliedert an die Klinik für Psychosomatik finden hier traumatisierte Opfer und Zeugen von Gewalt kompetente Hilfe. Deren Anzahl steigt stetig. Dr. Katharina Hauger, die neue Leiterin der Trauma-Ambulanz, spricht von Tausenden von Menschen, die alljährlich durch unterschiedlichste Ereignisse wie Bombenanschläge, Überfälle, Gewaltexzesse und anderen Verletzungen „von Menschenhand“ traumatisiert würden. Der Ostalbkreis zeigt sich diesbezüglich keineswegs als Insel der Seligen. Doch auch nach der schlimmsten Katastrophe muss das Leben weitergehen, auch wenn Trauma -Geschädigte das Gefühl haben, die Zeit nach dem Schicksalsschlag stünde still. Sie weichen allen Erinnerungen aus, flüchten sich in Traumwelten, immer wieder von „einschießenden Bildern“ eingeholt. Gerüche, Geräusche, Reize - alles kann den Schrecken erneut wachrufen. Am Ende stehen unterschiedlichste körperliche oder psychische Erkrankungen. Seit sich die Medizin intensiv mit Traumatisierung und Traumafolgestörungen beschäftigt, steht das Thema in einem differenzierten Fokus. Offenkundig wurde, dass Traumaopfer einem hohen Chronifizierungsrisiko ausgesetzt sind, ohne psychotherapeutische Begleitung bekommen sie ihr Leiden oftmals nicht mehr in den Griff. Um schwerwiegende Folgeschäden (Posttraumatische Belastungsstörungen) zu vermeiden, ist eine frühstmögliche psychotherapeutische Behandlung unumgänglich. Doch dazu fehlt es an qualifizierten Fachkräften.

Kooperation mit Ärzten

„Wir sind daher erfreut über die Entscheidung des Sozialministeriums, im Rahmen eines Modellprojektes am Ostalb-Klinikum eine 24-Stunden-Notfallsprechstunde für die Früh- und Erstversorgung von Gewaltopfern einzurichten, die schnelle ambulante und gegebenenfalls auch teilstationäre Hilfe leistet. So kann in enger Kooperation mit niedergelassenen Ärzten beziehungsweise Psychotherapeuten, regionalen Hilfseinrichtungen wie Beratungsstellen, Frauenhäusern und Opferschutzverbänden, aber auch mit öffentlichen Institutionen wie Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr sowie dem Versorgungsamt der Landkreisverwaltung, künftig eine qualifizierte Frühversorgung von Traumaopfern in Ost-Württemberg sichergestellt werden“, betonte Landrat Klaus Pavel in seiner Begrüßung. Landesweit sind es lediglich sechs Einrichtungen, die für drei Jahre als Pilotprojekt dienen. Die Trauma-Ambulanz des Ostalbkreises wird den Schwerpunkt auf die Frage legen, wie im ländlichen Raum Patienten adäquat versorgt werden können. Landrat Pavel betrachtet die Angliederung der neuen Ambulanz an die Psychosomatik als ideale Lösung. Zustimmung kommt von Krankenhausdirektor Axel Janischowski, der die hohe Kompetenz der dort beschäftigten Ärzte und Pflegekräfte lobte und daran erinnerte, dass Chefarzt Dr. Askan Hendrischke bereits mehrmals in Folge als einer der besten Psychosomatiker in der Bundesrepublik ausgezeichnet wurde. Dass so viel Lob gut tue, wollte Dr. Hendrischke nicht verhehlen. Auch nicht, dass er und sein Team die Idee einer Trauma-Ambulanz schon seit Jahren verfolge. Traumageschädigte bedürften unmittelbarer Hilfe, zugleich aber auch einer langfristig angelegten. „Mit der Aufnahme in das Pilotprojekt können wir uns nun auf den Weg machen.“ Bei der Eröffnungsveranstaltung schilderte die Chefärztin der Psychotherapeutischen Klinik des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld Dr. Andrea Möllering ihre Erfahrungen beim Aufbau einer Trauma-Ambulanz, während Dr. Hauger und Oberärztin Monika Enderle die künftigen psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten am Ostalb-Klinikum erläuterten.

Die Trauma-Ambulanz am Ostalb-Klinikum ist erreichbar unter der Telefonnummer 07361-55-1801. Weitere Informationen unter www.traumaambulanz-aalen.de.


© Schwäbische Post, 17. Juli 2014

Seelische Schäden schnell behandeln

Trauma-Ambulanz jetzt versuchsweise in Aalen eröffnet – Hilfe für traumatisierte Menschen rund um die Uhr

Im Aalener Landratsamt ist amMittwochabend eine neue medizinische Einrichtung am Ostalb-Klinikum eröffnet worden: die sogenannte Trauma-Ambulanz. Menschen mit Gewalterlebnissen können sich hier schnell helfen lassen. Rund um die Uhr. Aalen. Es sei wichtig, dass traumatisierte Menschen schnell Hilfe bekommen, sagte Landrat Klaus Pavel im großen Sitzungssaal vor zahlreichem Publikum. Denn es gehe darum, zu verhindern, dass sich eine sogenannte „Posttraumatische Belastungsstörung“ ausbilde. Diesen Begriff kennt man zum Beispiel von Soldaten, die im Krieg extremen Situationen, verbunden mit Gewalt und Tod, ausgesetzt waren. Oft kommen sie nicht darüber hinweg, seelische Schäden bleiben. Aber auch Menschen hierzulande können durch Erlebnisse traumatisiert werden. Beispiele: Opfer sexueller Gewalt oder Zeugen schwerer Unfälle. Die Trauma-Ambulanz am Ostalbklinikum ist angesiedelt bei der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie. Das hat einen guten Grund, nämlich die Fachkompetenz von Chefarzt Dr. Askan Hendrischke und seinem Team. Landrat Klaus Pavel und Klinikdirektor Axel Janischowski strichen das heraus. Denn die Einrichtung in Aalen ist eine von sechs, die jeweils versuchsweise in Baden-Württemberg drei Jahre lang laufen. Im Frühjahr hatte das Landessozialministerium dazu den Startschuss gegeben. „Die Mühlen mahlen langsam, aber sie mahlen.“ Chefarzt Dr. Askan Hendrischke Dieser Startschuss fiel nach längerer Wartezeit. Wie Hendrischke durchblicken ließ, will er schon seit zehn Jahren eine Einrichtung dieser Art in Aalen schaffen. Schnelle Hilfe für traumatisierte Menschen sei wichtig, um zu vermeiden, dass seelische Leiden chronisch werden, sagte er sinngemäß.

Im Verlauf des Abends klärten Dr. Katharina Hauger, Leiterin der Trauma-Ambulanz, und Oberärztin Monika Enderle über die psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten ihrer Einrichtung auf. Später berichtete Dr. Andrea Möllering, die eigens aus Bielefeld angereist war, über ihre Erfahrungen beim Aufbau einer Trauma-Ambulanz in Essen. Die Veranstaltung war gut besucht, was Landrat und Chefarzt sichtlich freute. Nicht nur Ärzte, sondern auch Vertreter von Polizei, Kirchen, Hilfs- und Rettungsdiensten, Opferschutzverbänden und Frauenschutzeinrichtungen waren gekommen.


© Schwäbische Post 25.04.2014 Anke Schwörer-Haag

Hilfe für Opfer häuslicher Gewalt

Ostalbklinikum ist einer von sechs Trauma-Ambulanz-Standorten in Baden-Württemberg

Je früher – desto besser. Diese Erkenntnis gilt immer, wenn ein Mensch Hilfe braucht. „Ganz besonders gilt das, wenn Opfer, Zeugen oder Retter von Unfällen, Straf- und Gewalttaten Hilfe brauchen“, weiß Dr. Askan Hendrischke. Deshalb ist der Chefarzt froh, dass es am Ostalbklinikum jetzt eine Trauma-Ambulanz gibt.

Aalen. Trauma – der Begriff, der Laien eher ans Träumen erinnert – leitet sich für Mediziner aus dem Griechischen ab und steht für Wunde. Dabei kann die Verletzung körperlicher Natur sein, aber eben auch seelisch. Für erstere gibt es ganz selbstverständlich überall Notaufnahmen. Wer dagegen seelisch einer extremen Situation ausgesetzt war und verletzt wurde, musste hierzulande in der Vergangenheit oft vergeblich auf Soforthilfe warten.

Dabei weiß man längst, dass Opfer, oft auch Zeugen oder sogar Ersthelfer, ein seelisches Trauma entwickeln können, weil sie in großer Gefahr erlebt haben, wie Hilflosigkeit und Ohnmacht sich anfühlt. Ohne fachliche Unterstützung kann sich dieses Erleben zur anhaltenden Störung auswachsen. „Die Berufsgenossenschaften finanzieren zwar schon lange eine ambulante Betreuung für traumatisierte Patienten“, erklärt Hendrischke – für Bankangestellte zum Beispiel, die einen Überfall erlebt haben, oder Berufstätige, die auf dem Weg zur Arbeit einen Verkehrsunfall hatten. Wer aber zuhause oder im Privatleben Opfer von Gewalt wurde, konnte in Baden-Württemberg bislang kaum auf schnelle Hilfe hoffen. Dabei wirkten Hilflosigkeit und Ohnmacht in diesem geschützten Umfeld oft psychisch noch viel belastender, meint der Chefarzt.

An dieser Situation soll sich jetzt etwas ändern: An sechs Standorten im Land hat man Trauma-Ambulanzen für Gewaltopfer eingerichtet – darunter am Ostalbklinikum in Aalen, das in diesem Fall die Landkreise Göppingen, Heidenheim und Hohenlohe mit abdeckt. Rund um die Uhr gibt es eine Notfallsprechstunde für die Opfer.

Ihnen stehen auf Kosten der Versorgungsämter zwischen fünf und 15 Gesprächstermine zu. „Damit können wir wirklich vielen Betroffenen helfen“, versichert die Fachärztin Dr. Katharina Hauger von der Psychosomatischen Klinik am Ostalbklinikum – in manchen Fällen reichten schon fünf Sitzungen aus, um die Entstehung einer posttraumatischen Belastungsstörung zu vermeiden. Großer Vorteil sei die enge Anbindung an das Klinikum, wo eine Notfallaufnahme sowie eine gynäkologische und chirurgische Abteilung gibt. Denn besonders, wenn Gewalt im engsten Familienkreis geschieht und wenn dabei die Schamgrenze überschritten wird, ist die Gefahr groß, dass die Opfer lang unter den Folgen leiden.

Bei der Behandlung in der Trauma-Ambulanz werden die Betroffenen denn auch ermutigt, die Tat anzuzeigen und einen Antrag auf Opferentschädigung zu stellen. Das sichert die Finanzierung der weiteren Betreuung. Und es verkleinert die Dunkelziffer, die es in diesem Bereich nach wie vor gibt.

Den Opfern machen die Fachleute deutlich, dass es ganz normal ist, sich bei seelischen Verletzungen helfen zu lassen, ebenso wie man bei körperlichen ja auch einen Arzt aufsucht. Besonders wichtig sei das gleich in der ersten Zeit, in der es vielen noch sehr schlecht geht. Denn die erfahrenen Ärzte könnten nicht nur feststellen, ob womöglich Langzeitfolgen zu befürchten sind. Sie wissen auch, wo es Hilfe gibt bei Schwierigkeiten im Alltag und für den Umgang mit den oft überwältigenden Gefühlen.

„Auch deshalb sind wir sehr froh, dass wir jetzt die Trauma-Ambulanz haben und früh helfen können“, versichert Dr. Askan Hendrischke. Und er findet es gut, dass das Modell wissenschaftlich begleitet (evaluiert) wird. Im Erfolgsfall, an dem der Chefarzt nicht den leisesten Zweifel hegt, könne das Konzept dann auf das ganze Land ausgedehnt werden.

Folgen von Gewalt – Kontakt zur Trauma-Ambulanz

Was Opfer als Folgen von Gewalt erleben: Schlafstörungen, Albträume, ständiges Wiedererleben der Verbrechenssituation, Depressionen und Angstzustände. Manche wagen sich lange nicht mehr aus dem Haus, andere leiden unter Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten oder können keinem Menschen mehr trauen. An Orten und in Situationen, die vielleicht auch nur entfernt an den Überfall erinnern, wird die Angst schnell wieder lebendig. Oft verändern sich die Opfer, haben an nichts mehr Freude und ihnen ist alles egal. Oder sie fühlen sich dauernd unwohl, reagieren gereizt auf Angehörige, Freunde und Kollegen.

Die Trauma-Ambulanz im Ostalbklinikum erreicht man unter (07361) 551801 oder nachts über die zentrale Notaufnahme (07361) 551122.

Für Interessierte gibt es am 16. Juli ab 19 Uhr auch eine Fachveranstaltung mit Chefärztin Dr. Andrea Möllering, die in Essen eine Trauma-Ambulanz aufgebaut hat. Weitere Info (07361) 551801.


Aalener Nachrichten 10.03.2014

Ostalb-Klinikum bekommt Traumaambulanz

Modellversuch des Landes an sechs Kliniken–Rund-um-die-Uhr-Hilfe AALEN/ AN Das baden-württembergische Sozialministerium startet einen Modellversuch mit sechs Traumaambulanzen für die Opfer von Gewalttaten. Die Ambulanzen werden an ausgewählten und entsprechend qualifizierten Pilotstandorten in Aalen an der Klini kfür Psychosomatik und Psychotherapie des Ostalb-Klinikums,in Esslingen, Offenburg, Ravensburg, Reutlingen und Schwetzingen eingerichtet. Dort können Menschen in akuten Notlagen nach einer Gewalttat rund um die Uhr Therapie und Hilfe finden. Dies hat Sozialministerin Katrin Altpeter am Montag in Stuttgart bekannt gegeben.

Opfer von Körperverletzungsdelikten oder Gewalttaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erleiden nach den Worten von Ministerin Altpeter häufig psychotraumatische Belastungen bis hin zu einer post-traumatischen Belastungsstörung. Nach wissenschaftlicher Erkenntnis ist eine zeitlich möglichst un-mittelbar nach der traumatisierenden Gewalttat einsetzende psychotherapeutische Behandlung besonders wichtig, um die Entstehung derartiger psychischer Belastungen zu verhindern. Altpeter: „Mit der Rund-um-die-Uhr-Hilfe in den Traumaambulanzen wollen wir dazu beitragen, dass posttraumatische Belastungsstörungen vermieden werden oder zumindest verhindert wird, dass die Opfer auf Dauer Schaden nehmen."

Mit dem Angebot der Pilotambulanzen werde für Opfer von Gewalttaten ein Betreuungsangebot geschaffen, das unmittelbar nach der Tat einsetze, so die Ministerin. Mit dieser Soforthilfe könnten neben den psychischen auch andere Schädigungsfolgen vermieden oder vermindert werden, wie etwa lange Krankheit oder Berufsunfähigkeit, so Altpeter.

Sie dankte ausdrücklich den sechs Landkreisen und Pilotkliniken für ihre Bereitschaft, an dem Modellversuch mitzuwirken. Finanziert wird die Einzeltherapie über die Versorgungsämter bei den Landratsämtern aus den sogenannten Beweiserhebungsmitteln, die den Landkreisen vom Land zugewiesen werden. Mit diesen Traumaambulanzen setze das Sozialministerium eine wichtige Forderung der Zweiten Opfer- und Zeugenschutzkommission um und leiste seinen Beitrag zum Opferschutz, betonte die Ministerin.

Nach Abschluss des auf drei Jahrebefristeten Modellversuchs soll eine Evaluationdurchgeführt werden, umzuprüfen, ob eine landesweite Einführung von Traumaambulanzen sinnvollist.Dabeisoll sowohl der Nutzen für die Patienten (schnelle und gute Therapie) als auch die Sicht der Versorgungsverwaltung (Entwicklung,Fallzahlen,Vermeidung von Langzeitschäden) einbezogen werden.


©SchwäbischePost 10.03.2014

Aalen erhält Trauma-Ambulanz

Aalen. Landessozialministerin Katrin Altpeter (SPD)hat bekanntgegeben, dass das Land einen Modellversuchmit sechs Trauma-Ambulanzen für die Opfer von Gewalttaten einrichtet. Auchdas Ostalb-Klinikum Aalenmit seinerKlinikfürPsychosomatik undPsychotherapie nimmt am Modellversuchteil.An den neuen Ambulanzen finden Menschen in akuten Notlagen nach einer Gewalttat rundum die Uhr Ansprechpartner und Hilfe. SPD-Abgeordneter Klaus Maier: „Das halte ich für eine wichtige Einrichtung. Ich hoffe, dass mit der Rund-um-die-Uhr-Hilfe inden Trauma-Ambulanzenverhindert werden kann,dass die Opfer dauerhaft Schaden davontragen.“Denn häufiger leiden Opfervon Körperverletzungen oder sexuellem Missbrauch psychotraumatische Belastungen,weshalb eine unmittelbar nach der Gewalttat einsetzende psychotherapeutische Behandlung entscheidend ist. Finanziert wird di eEinzeltherapi eüber die Versorgungsämter bei den Landratsämtern. Diese erhalten „Beweiserhebungsmittel“,die den Landkreisen vom Landzugewiesen werden.


© Schwäbische Post 9.7.2005 VON ANKE SCHWÖRER-HAAG

KLINIK FÜR PSYCHOSOMATIK / Vortrag über Traumatherapie

Momente der Freude

Aus heiterem Himmel kann jeder Mensch in Situationen kommen, in denen er sich hilflos, ohnmächtig, verzweifelt fühlt - die Körper und Seele verletzen. Etwa ein Drittel der Betroffenen brauchen nach Katastrophen, Unfällen oder Überfällen ärztliche Hilfe. Sie sind schwer traumatisiert. Anerkannte Expertin auf diesem Gebiet ist Dr. Luise Reddemann. Sie kommt am Mittwoch als Referentin ins Bildungszentrum am Ostalbklinikum

"Imagination als heilsame Kraft", heißt ihr Vortragsthema. Und so heißt auch ein Buch von Luise Reddemann, das zwischenzeitlich in der zehnten Auflage gedruckt worden ist - also ganz offensichtlich reißenden Absatz findet. Die Psychiaterin und Fachärztin für Psychotherapie beschreibt darin das Konzept zur Behandlung von Menschen mit Traumastörungen, das sie als Chefärztin der psychosomatischen Klinik in Bielefeld mit ihrem Team entwickelt hat. "Wir haben erkannt, dass die Menschen erst innerlich stabilisiert werden müssen, ehe sie sich mit dem schlimmen Erlebnis auseinandersetzen können. Wenn man sich ungeschützt und ohne innere Stärke mit alten Verletzungen beschäftigt, wirken diese so überwältigend, dass es dem Betroffenen schlechter geht."

Erfahrungsgemäß liege das Heil in der Selbstheilungskraft. Diese wird mit ärztlicher Unterstützung gefördert. Über Vorstellungen (Imagination) übt der Mensch die Freudefähigkeit und kann damit das Gleichgewicht zwischen Momenten der Freude und Momenten der Trauer herstellen.

Luise Reddemann schreibt nicht nur leicht verständliche Bücher - die gebürtige Aalenerin redet auch so. Ihr Vortrag am Mittwoch, 13. Juli, im Bildungszentrum am Ostalbklinikum beginnt um 19.30 Uhr und ist interessant für alle Menschen, die ihre Selbstheilungskräfte stärken wollen.


Schwäbische Post 27.03.2004 VON ANKE SCHWÖRER-HAAG

OSTALBKLINIKUM / Umfrage-Ergebnisse ermutigen zum Weitermachen

86 Prozent: Trauma-Ambulanz wichtig

Wünschenswert? Keine Frage. Dass sich viele wünschen, es könnte mehr getan werden, für Patienten mit Trauma-Erfahrung, damit hatte Dr. Askan Hendrischke gerechnet. Dass aber 86 Prozent der Experten eine Trauma-Ambulanz für notwendig halten, das hätte der Chefarzt nicht erwartet. ...

Ganz anders als der Laie zunächst vermutet: Trauma hat nichts mit Traum zu tun, sondern mit Verletzung. Ganz besonders mit einer Verletzung der Seele. Traumatisiert sind Menschen, die einen Unfall oder extreme Gewalt erlebt haben - vor allem sexuelle Gewalt. Traumatisiert sind oft auch Menschen, die als Rettungskräfte oder Zeugen schwere Krisen miterleben mussten. Etwa 15 bis 20 Prozent können mit diesen Verletzungen nicht alleine zurecht kommen. "Sie brauchen auch nach der Akutversorgung Ansprechpartner, die sich professionell um sie kümmern können", sagt Dr. Askan Hendrischke und baut deshalb seit rund einem Jahr an einem Netzwerk für eine Trauma-Ambulanz (wir berichteten).

Jüngster Knoten in diesem Netz ist die Auswertung der Umfrage unter Experten - niedergelassene und klinisch tätige Ärzte, psychologische Psychotherapeuten, Mitarbeiter von Beratungseinrichtungen, Notfalldiensten oder Polizei. Positiv überrascht sind die Initiatoren vom Team der Klinik für Psychosomatik am Ostalbklinikum schon über den hohen Rücklauf. Immerhin 65 Prozent der Fragebogen kamen ausgefüllt zurück. Nicht erwartet hatten sie, dass 86 Prozent der Befragten ankreuzen, eine Trauma-Ambulanz am Ostalbklinikum sei dringend notwendig (35 Prozent) oder notwendig, (51 Prozent).

Diese Zahlen im Gepäck hoffen Landkreisverwaltung, Ostalbklinikum und das Team von der Klinik für Psychosomatik nun, dass auch die Geldgeber aufgeschlossen reagieren. "Wir wissen jetzt, dass der Gedanke richtig ist. Jetzt brauchen wir Umsetzer", sagt Landrat Klaus Pavel. Angestrebt wird der formale Status "Instituts-Ambulanz" - das heißt: kassenärztliche Vereinigung und Krankenkassen müssten einen Vertrag mit dem Ostalbklinikum schließen und den finanziellen Rahmen aushandeln für die Trauma-Ambulanz. Klinikdirektor Axel Janischowski beschreibt deren Funktion als Zentrum im Netzwerk der kurzen Wege. Polizei, Notfalldienste, Mediziner und natürlich die Patienten hätten einen direkten Ansprechpartner. Der Umzug des Versorgungsamtes von Ulm nach Aalen - ins medizinische Dienstleistungszentrum am Ostalbklinikum - könnte schnelle Lösungen begünstigen. Auch das wäre im doppelten Sinn von Vorteil - für die Patienten, die seltener chronische Störungsbilder bekämen, und für die Kassen, weil schnelle Hilfe weniger kostet. Dr. Askan Hendrischke rechnet nach Erfahrungen in anderen Bundesländern damit, dass fünf bis 15 Stunden pro Patient ausreichen für Akutversorgung, Krisenintervention, Stabilisierung, Beratung und gegebenenfalls eine Weitervermittlung.


Schwäbische Post 16.12.2003 VON ANKE SCHWÖRER-HAAG

Eine Trauma-Ambulanz im Visier - Runder Tisch mit Entscheidungsträgern brachte positive Resonanz

Trampelpfad darf nicht Autobahn werden

"Trauma" - eigentlich klingt dieses Wort sympathisch, weil es den Normalbürger erstmal ans Träumen erinnert. Mediziner dagegen wissen: Das "Trauma" ist eher ein Alptraum, denn es steht in der Fachsprache für eine seelische oder körperliche Verwundung. "In beiden Fällen sollte früh behandelt werden", sagt Dr. Askan Hendrischke und kämpft für eine Trauma-Ambulanz am Ostalbklinikum.

"Jeder Mensch kann unerwartet Opfer oder Zeuge von schweren Unfällen, von Gewalt, von Naturkatastrophen oder von unerwarteten Verlust-Erfahrungen werden", erklärt Hendrischke. Solche Dramen traumatisieren, hinterlassen Spuren auf der Seele. Die meisten Menschen tragen schwer an den Gefühlen von tiefgreifender Verzweiflung, Hilflosigkeit, Ohnmacht und Verlust der Kontrolle.

Um die Folgen abzumildern, eine Entwicklung ins Chronische zu vermeiden, sei ein rasches diagnostisches und therapeutisches Eingreifen wichtig. "Es muss im Ostalbkreis eine Stelle geben, an die sich Opfer, Helfer oder Zeugen wenden können, wenn sie auch vier Wochen nach der Katastrophe noch geplagt werden von Schlafstörungen, Alpträumen, Angstzuständen, Depressionen oder Erinnerungen", sagt der Chefarzt der psychosomatischen Abteilung am Ostalbklinikum. Und er erklärt: Je länger ein Mensch sich mit einem Gedanken oder einer Erinnerung herumschlage, um so breiter und tiefer wird die Spur, die der Vorfall im Gehirn hinterlässt. Die "Trampelpfade der Erinnerung werden zu Autobahnen", das Leben immer mehr von dem Ereignis geprägt.

Je besser das Angebot in der Früh- und Erstversorgung ist, desto schmaler lasse sich der Trampelpfad halten, wirbt der Mediziner für eine offizielle Anlaufstelle. Denn es gibt auch schon positive Erfahrungen: Für fast ein Drittel aller Opfer, Zeugen oder Helfer war die Trauma-Ambulanz am Uniklinikum in Aachen der rettende Notnagel - zum Beispiel für den Lokführer, vor dessen Zug sich ein Selbstmörder geworfen hatte; oder für den Fahrer, der die Schrecksekunde des Unfalls wieder und wieder erlebt und seitdem nicht nur das Autofahren meidet.

Solche Fälle stellte Dr. Guido Flatten, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Psychotraumatologie, beim ersten Round-Table-Gespräch zum Thema Trauma-Ambulanz in Aalen vor. 35 Repräsentanten - vom Polizeidirektor über den Kreisfeuerwehrkommandanten bis zum Unfallchirurgen, von der Frauenhausleiterin über den Rot-Kreuz-Geschäftsführer bis zum Chef des Gesundheitsamtes, vom Psychiater über die Opferberaterin bis zum Sozialdezernenten des Ostalbkreises lauschten dem mit praktischen Beispielen untermauerten Vortrag des Mediziners, der an der Aachener Uniklinik die Trauma-Ambulanz aufgebaut hat. Vielen Menschen helfe der Alltag, das Sprechen mit vertrauten Menschen, ein Sich-verstanden Fühlen, erklärt Dr. Askan Hendrischke später zusammenfassend. Dass die Bilder des Grauens anfangs immer wieder kommen, sei völlig normal. Normal auch, dass diese Erinnerung nach und nach verblasse. Aber die Zeit allein heilt eben nicht bei allen die Wunden. Etwa ein Viertel bis ein Drittel der Betroffenen spüre, dass sie alleine nicht zurecht kommen. Sie brauchen professionelle Begleitung, fachpsychotherapeutische Hilfe. Und so lange es auf der Ostalb Wartezeiten von sechs bis neun Monaten gebe für jene, die einen Facharzt brauchen. So lange es obendrein Monate dauere, bis ein Betroffener als Opfer anerkannt ist, sei das Risiko, chronisch krank zu werden, hoch - die Folgekosten auch. Lösung für Hendrischke: Das Ostalbklinikum müsste von der kassenärztlichen Vereinigung eine Ermächtigung als Instituts-Ambulanz bekommen.

"Ziemlich überzeugend", nennt Polizeidirektor Gerhard Wiest als einer der Teilnehmer am Round-Table-Gespräch, die Idee einer Trauma-Ambulanz. Eine solche Begleitung sei Teil der Opferfürsorge, die sich nicht nur um die leiblichen Schmerzen eines Betroffenen kümmern dürfe.

Solch positive Resonanz hat Klinikdirektor Axel Janischowski am Ende des Runden Tisches von vielen Seiten bekommen. "So etwas wie in Aachen brauchen wir", fasst er die Meinung der Teilnehmer zusammen. Das Ostalbklinikum werde den Ball aufnehmen und weiterarbeiten am Konzept, verspricht er und weiß auch: "Es gibt noch viel zu tun, bis das Netz geknüpft ist."

Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin
am Ostalb-Klinikum Aalen
aktualisiert am 02.11.2014